Buchtitel: Hochsensibel

Im Büchlein „Hochsensibel“ gibt Katrin Glaken eine leicht verständliche Einführung in das Phänomen der Hochsensibilität. Definitionen, Abgrenzungen und die Beschreibung des Themas werden ergänzt durch Empfehlungen für Betroffene.

Leider stellt die Autorin sich nicht vor, und verrät auch nicht, ob und wie sie selbst zur beschriebenen Personengruppe gehört. Ebenfalls geht aus dem Buch nicht klar hervor, ob sie sich als Expertin zu dem Thema äußert oder ob sie versucht, vorhandenes Wissen anderer Experten zu komprimieren und dem interessierten Leser aufzubereiten.

In den ersten Kapiteln wird der Begriff näher definiert und die Ausprägungen der Hochsensibilität dargelegt. An mehreren Stellen im Buch beschreibt die Autorin eine Abgrenzung zu Phänomenen mit ähnlichen Auswirkungen, z.B. Hochbegabung, ADHS oder dem siebten Sinn. Leider kommt sie dabei zu keinem eindeutigen Ergebnis.

Ein Test mit 30 Fragen soll klären helfen, ob der Leser zu dieser Gruppe von Menschen zählt. Deutlich explizitere Hinweise gibt Glaken in den folgenden Abschnitten, in denen sie die sensorischen Auswirkungen sowie die emotionale Wahrnehmung von Betroffenen beschreibt.

Praktische Tipps zum Umgang mit der eigenen Hochsensibilität oder mit hochsensiblen Menschen in der Familie und dem Freundeskreis runden das E-Book ab.

Leider hat das Buch bei mir keinen positiven Eindruck hinterlassen. Es fehlt ein roter Faden, die Themen der kurzen Kapitel sind kaum aufeinander aufgebaut. Die Autorin wagt es auch nicht, sich auf Aussagen festzulegen. An mehreren Stellen bleibt sie vage und ergreift nicht Partei für die eine oder andere wissenschaftliche Meinung.

Die Abgrenzung zu benachbarten Themen ist unscharf, die Handlungsanweisungen für Betroffene sind nahezu identisch mit Tipps für introvertierte Personen oder für Burnout-Patienten oder zum allgemeinen Stress-Abbau. Weiter hat mich verwundert, dass die Fragen zur Abklärung weitgehend deckungsgleich sind mit Fragen, die ich in einem Buch über Introversion gelesen habe. Das mag zwar korrekt sein, hilft aber nicht bei der Abgrenzung dieser Phänomene.

Formal ist das E-Book eine Zumutung. Die Kapitel sind zu kurz, dadurch entstehen bei verschiedenen Anzeigegeräten große Lücken im Textsatz, die Taschenbuchausgabe kann ich nicht beurteilen. Die Autorin schreibt zeitweise professionell wissenschaftlich, wenige Abschnitte später wieder flapsig im Stil einer Boulevard-Zeitung. Der Text ist durchsetzt mit Fehlern in Grammatik und Rechtschreibung. Es zeichnet sich deutlich ab, dass die Autorin keine Übung im Schreiben hat, leider auch nicht die Unterstützung eines erfahren Lektors in Anspruch genommen hat.

Durch die formalen Mankos, die fehlende Ordnung und den mangelnden Mut der Urheberin, Stellung zu beziehen, gibt das Buch weniger Orientierung, als ich mir erhofft habe. Leider fehlt eine Liste mit weiterführender Literatur.

Fazit: Das E-Book „Hochsensibel“ von Katrin Glaken beschreibt das Phänomen der Hochsensibilität. Menschen mit gesteigerten sensorischen Fähigkeiten sollen beurteilen, ob sie in die beschriebene Personengruppe fallen und wie sie mit den Besonderheiten dieser Begabung umgehen. Leider ist die Abgrenzung unscharf und die Handlungsempfehlungen kommen über allgemeine Tipps zur Stressvermeidung kaum hinaus. Das Buch wird meiner Meinung nach seinem Anspruch nicht gerecht. Schade.

 

Titel Hochsensibel
Was tun bei Hochsensibilität?
Stärken erkennen für Glück und inneres Wohlbefinden
Autorin Katrin Glaken
Erschienen 2017 Selbstverlag, Göttingen
Auflage 1. Auflage 2017
Format E-Book, ca. 90 Seiten
ISBN 978-154 950 911-7 (Taschenbuch)

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