Das Geheimnis – ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt

Buchtitel: Das Geheimnis (The Secret)

Ich wünsche mir ein Haus, viel Geld oder einfach nur Gesundheit. Wünsche hat jeder, doch wie wäre es, wenn ich mir die Erfüllung der Wünsche einfach in meinen Gedanken vorstelle – und schon werden sie wahr?

Inhalt

Genau darum geht es in dem Buch „Das Geheimnis“, deutsche Übersetzung des amerikanischen Bestsellers „the secret“. Die Autorin geht davon aus, dass das gesamte Universum eine Einheit bildet, die auf Energie und Schwingungen beruht. Jedes Wesen korrespondiert mit jedem anderen belebten oder unbelebten Gegenstand.

Wenn ich lange genug positiv über meine Wünsche nachdenke, gehen sie in Erfüllung, weil meine Gedanken in einer Frequenz schwingen, die das Universum zu genau der passenden Antwort anregt. Leider gilt das auch umgekehrt, denn meine negativen Gedanken resultieren ebenfalls in ihrer Umsetzung. So ist Angst vor Krankheit nach der Logik des Buches ein Auslöser für Krankheit. Wer sich die ganze Zeit Sorgen wegen seiner Schulden macht, zieht noch mehr Schulden an.

So muss man einfach lernen, seine negativen Gedanken durch positive zu ersetzen, und das ganze Universum wird mir untertan. Ich bin Gott, und ich kann alles erschaffen, was ich mir in meinen Gedanken ausmalen kann. Aus nichts. So einfach ist das. Das Prinzip nennt sich das „Gesetz der Anziehung“.

Bewertung

Wenn der letzte Absatz etwas sarkastisch klingt, dann trifft das genau meine Meinung. Ich halte diese Vorstellung für ziemlich unpassend. Denn die negative Schlussfolgerung der Autorin dazu lautet, dass jeder, der z.B. Krieg und Terror erlebt hat, dies selbst in sein Leben gezogen hat.

Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie an genau dieses Geschehen gedacht haben, aber die Frequenz ihrer Gedanken passte zu derjenigen des Ereignisses.

Rhonda Byrne, S. 44

Das ist pervers, denn es bedeutet, dass jede vergewaltigte Frau an ihrem Schicksal selbst die Schuld trägt und dass jedes Kind, das im Krieg umkommt, genau das durch seine Angst überhaupt erst provoziert hat. Dieses Gedankengut ist menschenverachtend.

Das perfide an dieser Idee ist, dass sie nicht vollkommen aus der Luft gegriffen ist, sondern teilweise wahr ist. Der Placebo-Effekt bei wirkungslosen Medikamenten greift auf dieses Prinzip zurück. Ebenso wird eine positive Selbstbestätigung meine Psyche verbessern, denn genau darauf wartet die Seele eines jeden Menschen.

Sie müssen anfangen, sich selbst mit Liebe und Respekt zu behandeln …

Rhonda Byrne, S. 142

Auch halte ich es für richtig, einen positiven Einfluss auf meine Kreativität zu vermuten. Wer darüber nachdenkt, reich zu werden, dem kommt in diesem Umfeld vielleicht tatsächlich die zündende Geschäftsidee. Ich bezweifle jedoch den ausgesprochenen Automatismus.

Zuletzt lehne ich das Buch aus religiösen Gründen ab. In der Argumentation des Textes sind alle Religionen gleich. Sie beschreiben nach Meinung der Autoren immer die gleichen Sachverhalte mit anderen Worten. Die einen nennen es „Gott“, die anderen „das Universum“. Das ist in meinen Augen eine unzulässige Vereinfachung, denn ich glaube, dass Gott eine Person ist, dass Gott das Universum geschaffen hat und dass Gott eine emotionale Beziehung zu den Menschen aufbaut. Das beinhaltet auch, dass er autonom das Schicksal von Menschen beeinflusst, weil er in größeren Maßstäben denkt als der kurzfristige Wunsch eines Menschen.

Wenigstens gesteht einer der zitierten Zeugen dieses Prinzips mir die Freiheit zu, selbst zu entscheiden, ob ich diese Methode annehme oder ablehne.

… es ist Ihre Entscheidung, ob Sie es annehmen und anwenden wollen, wenn es sich gut anfühlt. Wenn es sich nicht gut anfühlt, dann lassen Sie es bleiben.

Dr. John Grey, zitiert auf S. 210

Das „Gesetz der Anziehung“ beinhaltet Elemente aus unterschiedlichen Religionen. Christliche Lehre wird mit Ideen aus dem Hinduismus und der Naturreligionen vermischt. Angereichert wir das Ganze mit Vorstellungen der sogenannten Neugeistbewegung, der Esoterik und der Anthroposophie.

Was ich nicht aus dem Inhalt übernehmen möchte, ist der Egoismus. Die Welt dreht sich nicht um mich, ich bin nicht Gott oder der Mittelpunkt des Universums. Es gibt Schicksale, die nicht der Schuld oder den schlechten Gedanken des Betroffenen entspringen. Ich muss auch nicht automatisch den Fehler bei mir suchen, wenn ich von einem Unglück getroffen wurde.

Was ich aus diesem Buch lernen möchte, ist der Ansatz, jeden Gedanken aus der positiven Perspektive zu formulieren. Ich sage nicht „ich will nicht krank sein“, sondern „ich wünsche mir Gesundheit“. Ich glaube, dass diese Änderung eine heilsame Auswirkung auf meine Seele hat, und nicht meinem christlichen Glauben widerspricht. Meine Bitten richte ich im Gebet an Gott, nicht an das Universum. Ich vertraue darauf, dass er mir nicht alle Wünsche erfüllt, sondern weise und liebevoll das in mein Leben hineinlässt, was mir langfristig guttut, auch wenn ich das momentan noch gar nicht begreifen kann.

Fazit

Das Buch „Das Geheimnis“ von Rhonda Byrne beschreibt das „Gesetz der Anziehung“. Nach der Idee manifestieren sich die Gedanken und Wünsche eines Menschen in seinem Leben, die positiven und leider auch die negativen. Die Lehre hinter diesem Prinzip ist eine Mischung verschiedener Religionen und Philosophien. Wegen der überzogenen Ich-Bezogenheit und einigen menschenunwürdigen Aussagen will ich das Buch nicht als guten Ratgeber empfehlen. Wer sich nicht blenden lässt von den Heilsversprechen, kann trotzdem daraus lernen. Für mich ist es nicht befriedigend.

TitelThe Secret - Das Geheimnis
AutorRhonda Byrne
ÜbersetzerKarl Friedrich Hörner
ISBN978-3-442-33790-3
Veröffentlicht2007 im Arkana Verlag, München
Originalausgabe2006 unter dem Titel "The Secret" bei Atria Books, New York
Auflage18. Auflage
FormatGebunden, 240 Seiten
Dewey-Klassifikation131

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