Hand ragt aus dem Wasser, bittet um Hilfe

Von Geburt an wird man zur Selbständigkeit erzogen. Kinder lernen, alleine zu laufen, zu essen und sich anzukleiden. Später lernen wir Lesen und Schreiben sowie einen Beruf. Alles scheint darauf hinauszulaufen, dass jeder das Leben selbst meistert. Doch was passiert, wenn ich an den Punkt komme, wo ich alleine nicht mehr weiter komme?

Quelle

Gibbs‘ Regel Nr. 28: „Brauchst du Hilfe, dann sag’s“ (Leroy Jethro Gibbs, Protagonist der US-Serie Navy CIS – Staffel 13 Folge 10). So oder ähnlich wurde dieser Rat auch von anderen weisen Menschen ausgesprochen.

Was bedeutet das für mich?

Diese Regel ist vermutlich die schwerste Regel für mich, das gebe ich offen zu. Das mag teils an meiner Persönlichkeit liegen, teils ist es durch Erziehung und andere Einflüsse entstanden: Ich habe irgendwie immer das Gefühl, ich müsse alles alleine schaffen. Was ich nicht alleine kann, das kann ich gar nicht.

Ich kann diesen Eindruck nicht ergründen, denn in unserer Familie helfen wir uns gern gegenseitig. Auch in der christlichen Gemeinde, die mich geprägt hat, hilft einer dem anderen ohne Bedingungen, oft auch ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Dazu kommt noch, dass ich Perfektionist bin und Aufgaben lieber gar nicht anpacke, als sie unperfekt erledigen zu können. Doch gerade, wenn man in eine gute Gemeinschaft eingebunden ist, gibt es keinen Grund für solch eine Haltung. Also habe ich das mit in mein Regelwerk aufgenommen, wohl wissend, dass es aus heutiger Perspektive für mich eine Mammutaufgabe ist.

Verfolgtes Ziel

Zur Nächstenliebe gehört nicht nur, den Mitmenschen selbstlos Hilfe anzubieten, Nächstenliebe beinhaltet auch, die Hilfe von anderen wohlwollend und dankbar anzunehmen. Ich möchte lernen, offen zu meinen Fehlern und meiner Unvollkommenheit zu stehen. Ich möchte sowohl Hilfe anbieten, als auch aktiv nach Hilfe fragen, wenn ich alleine nicht weiter komme.

Passt das zu meinem christlichen Glauben?

Ja, gegenseitig helfen und stützen ist ein biblisches Prinzip.

Lasst uns aufeinander achten! Wir wollen uns zu gegenseitiger Liebe ermutigen und einander anspornen, Gutes zu tun.

Die Bibel, Hebräer 10, 24

In einer speziellen Situation hat Jesus sogar einen blinden Mann aufgefordert, konkret nach Hilfe zu fragen:

Jesus fragte ihn: »Was soll ich für dich tun?« »Herr«, flehte ihn der Blinde an, »ich möchte sehen können!«

Die Bibel, Lukas 18, 40-41

Es entspricht also der Bibel, nach Hilfe zu fragen. Die Bitte um Beistand kann sowohl an Freunde als auch an Gott gerichtet sein.

Für mich oder für andere?

Diese Regel ist für mich. Hilfe geht nicht ohne andere, aber es ist meine Aufgabe, meine Lücken zuzugeben und nach Hilfe zu fragen.

Persönliches

Ich weiß, dass ich nicht perfekt bin, genau genommen sogar weit davon entfernt. Und doch fällt es mir so schwer, das zuzugeben. Es ist mir nicht entgangen, dass alle anderen Menschen ebenfalls nicht perfekt sind. Und doch zögere ich, meine Defizite offen auszusprechen.

Ich will gerne alles, was ich mache, alleine schaffen. Ich fühle mich nicht vollwertig, wenn ich den Erfolg nur mit der Unterstützung von anderen erreichen konnte. Zu gut erinnere ich mich, dass ich in meiner Jugend immer wieder dazu aufgefordert wurde, mich mit anderen zu vergleichen. Doch das habe ich immer gescheut. Ich wollte nie ganz vorn dabei sein und nie im Mittelpunkt stehen – und das ist bis heute so.

Dabei gibt es so viele Bereiche in meinem Leben, in denen ich viel leichter durch den Tag käme, wenn ich nur um Hilfe bitten würde. Daran werde ich arbeiten. Das wird nicht an einem Tag passieren und mich viel Überwindung kosten. Trotzdem sage ich: Ja, mit Gottes Hilfe!


Dieser Beitrag ist Teil meiner Reihe über meine eigenen Lebensregeln.

Die Bibelstellen sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002 by International Bible Society®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Bildnachweis: Pixabay, freigegeben unter Creative Commons CC0 Lizenz

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