Glas-Herz in offenen Händen

„Wie sagt man?“ – mit dieser eindringlichen Frage sollen Kinder zur Dankbarkeit erzogen werden. Das „Danke“ kommt dann auch mehr oder weniger freiwillig. Manchmal sieht man schon an den Augen, dass es von Herzen kommt, da sind die Worte nur noch Beiwerk. Kann also gezwungene oder geregelte Dankbarkeit die Haltung meines Herzens wiedergeben?

Quelle:

Das ist meine eigene Regel. Inspiriert wurde ich durch das Dankbarkeitstagebuch von Alfred R. Stielau-Pallas.

Was bedeutet das für mich?

Der Volksmund sagt: „Jammern ist der Gruß der Kaufleute“ – und da ist sicher etwas Wahres dran. Auch mir fällt es leichter, die negativen Aspekte einer Situation wahrzunehmen. Ich sehe zuerst die Risiken, dann die Chancen. So ist Dankbarkeit bei meinen Charaktereigenschaften nicht vorn dabei. Doch ist diese Disposition eine Ausrede wert? Nein, ich bin mir sicher, dass ich Dankbarkeit von Herzen lernen kann.

Verfolgtes Ziel

Das Ziel, das ich anstrebe, hat drei Teilaspekte. Zuerst möchte ich auch in dieser Regel dem Vorbild von Jesus Christus nacheifern. Jesus ist sich bewusst, dass alles, was er hat, ein Geschenk von Gott ist und er dankt ihm dafür.

Das soll kein abgehoben religiöses Ritual sein, denn in der Übung der Dankbarkeit lerne ich, Nächstenliebe zu praktizieren und zu fördern. Wer mir Gutes tut, freut sich bestimmt über ein herzliches Dankeschön. Und ich trainiere, auch kleine Gesten der Freundlichkeit wahrzunehmen.

Zuletzt fördere ich dadurch die Selbstannahme, denn wenn ich dankbar bin, gönne ich mir immer auch eine Wohltat für mich. Ich bringe positive Gedanken in mein Herz und kann auch in weniger angenehmen Zeiten aus der hoffnungsvollen Grundeinstellung profitieren.

Passt das zu meinem christlichen Glauben?

Wie bereits angedeutet, hat Jesus die Dankbarkeit täglich praktiziert. Selbst für ein trockenes Stück Brot hat er Gott gedankt und anschließend mit anderen geteilt. Das war eine Selbstverständlichkeit für ihn und entspricht seiner Herzenshaltung. Dankbarkeit ist bei Jesus auch eng mit den Wundern verbunden, die er getan hat. In einer Situation hat er zehn Menschen geheilt und alle zehn sind voller Freude losgelaufen, weil ihre langjährige Krankheit endlich weg ist. Einer von diesen hält plötzlich inne, kehrt um und sagt Jesus von Herzen dank für die Heilung (vgl. Die Bibel, Lukas 17, 11-19).

Als Lazarus, der Freund von Jesus gestorben ist, geht Jesus am vierten Tag nach dem Tod zu der Trauerfamilie. Bevor er handelt, dankt er Gott, dass dieser seine Bitte bereits erhört hat. Dann erst vollbringt er das Unglaubliche: Er erweckt den Verstorbenen wieder zum Leben.

Dank ist in der Bibel nicht nur mit positiven Lebensumständen verbunden. In der jungen Gemeinde in Rom wird gestritten, ob man besser fastet oder mit Freude feiert. Paulus schreibt, dass es für Gott keine Rolle spielt, aber beide Lager sollen das, was sie tun, mit Dankbarkeit tun.

Der Gemeinde in Thessaloniki empfiehlt Paulus die Dankbarkeit als Grundhaltung unabhängig von der jeweiligen Situation:

Dankt Gott, ganz gleich wie eure Lebensumstände auch sein mögen. All das erwartet Gott von euch, und weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid, wird es euch auch möglich sein.

Die Bibel, Thessalonicher 5,18

Für mich oder für andere?

Das Schöne an der Dankbarkeit ist, dass sie immer zwei Menschen erfreut: Den Beschenkten, der seinen Dank zum Ausdruck bringt und den Geber, der für seine gute Tat (mindestens) durch Worte entlohnt wird. Dankbarkeit hilft außerdem, depressive Verstimmungen zu besiegen.

Persönliches

Es gibt viele Situationen im Leben, wo mir nicht nach Dankbarkeit zumute ist. Gerade in Umbruchzeiten ist das eher die Regel als die Ausnahme. Alles scheint sich gegen mich zu stellen, die ganze Welt sieht feindlich aus. Jede Kritik trifft mich in ganzer Person und jedes Lob scheint unaufrichtig zu sein.

Gerade da fällt es mir unendlich schwer, dankbar zu sein und zu bleiben. Im oben beschriebenen Dankbarkeitstagebuch waren für jeden Tag eine halbe Seite Platz für Wünsche (Dank in die Zukunft gerichtet) und für Dankbarkeit. Zuerst ist es mir echt schwergefallen, Punkte zu finden, für die ich dankbar bin. Doch man muss gar nicht lange suchen, um Menschen zu finden, denen es schlechter geht als mir.

Ich spüre Dank für die Wohnung, auch wenn sie derzeit sehr klein ist, Dank für medizinische Versorgung in unserem Land. An keinem Tag muss ich Hunger oder Durst leiden, ich habe eine wunderbare Familie und gute Freunde. Ich bin in einer christlichen Gemeinde mit seelischem und geistlichem Wohl bedacht. Ich habe Zeit, ich kann Lernen, ich entdecke meine Kreativität neu. Es gibt wohl 1000 Gründe, um dank zu sagen. Dank gilt all den Menschen, dir mir das ermöglicht haben, vor allem aber Gott, der mich als individuelle Person geschaffen und unglaublich begabt hat. Danke auch an alle Leser, die mich ermutigen, weitere Beiträge für meinen Blog zu schreiben.

Inzwischen führe ich mein Dankbarkeitstagebuch ohne Vorlage, beinahe jeden Tag finde ich die Zeit dafür. Ich lasse den Tag Revue passieren. An manchen Tagen kommen nur ein paar Zeilen zusammen, an anderen weit mehr als eine Seite. Heute bin ich sicher, dass man Dankbarkeit trainieren kann und dass es sich lohnt, daraus eine Regel zu machen.


Dieser Beitrag ist Teil meiner Reihe über meine eigenen Lebensregeln.

Die Bibelstellen sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002 by International Bible Society®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Bildnachweis: Pixabay, freigegeben unter Creative Commons CC0 Lizenz, Fotograf: wagnercvilela

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.