Die Methusalem Lüge – Politik, Wirtschaft und das Alter

Titelseite: Die Methusalem-Lüge

Die Lebenserwartung der Menschen steigt, der Bedarf nach Versorgung im Alter somit ebenfalls. Dadurch „belasten“ die Alten unsere Sozialversicherungen, so ist die verbreitete Meinung bei Politikern und Unternehmern.

Ernst Kistler setzt sich in seinem 2006 veröffentlichten Buch mit diesem Themenkreis auseinander, genauer gesagt befasst er sich mit dem Werk „Das Methusalem-Komplott“ des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher von 2004. Einige der verwendeten Thesen benennt Kistler als Mythen und versucht diese in seinem Buch zu wiederlegen.

Anhand statistischer Zahlen führt der Autor eine Auseinandersetzung mit den Thesen Schirrmachers. Er kritisiert die Vermutung, dass darüber scheinbar gesellschaftlicher Konsens herrscht. In seiner Gegenschrift widerspricht Kistler insgesamt sechs wesentlichen Aussagen aus Schirrmachers Abhandlung.

Er zeigt schlüssig auf, dass z.B. eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit sinnlos ist, solange die über-60-jährigen Menschen keine Anstellung mehr finden. Ebenso weist er darauf hin, dass die drohende Schieflage der Sozialkassen vorwiegend auf politische Fehlentscheidungen zurückzuführen ist, nicht auf die demographische Entwicklung.

Das Buch lässt sich flüssig lesen, die Argumentationsketten sind nachvollziehbar und der Aufbau logisch. Leider konzentriert sich das Werk auf seine Ausrichtung als Gegenrede zu besagter Veröffentlichung, so dass der Inhalt überwiegend aus negativer Beweisführung besteht. Erst im letzten Kapitel bringt Kistler zumindest Ansätze für eine Lösung der Probleme vor. Diese sind aber nur als Denkanstöße formuliert und weder zu Ende gedacht, noch ihrerseits mit Zahlen belegt.

Das hinterlässt bei mir als Leser einen faden Beigeschmack, denn Kritisieren ist einfach, solange man das Problem nicht selber lösen muss. Seine Formulierungen stimmen – auch in der Wortwahl – oft mit politischen Aussagen der Linken überein. Ich finde es gut, dass dieses Thema von mehreren Personen differenziert betrachtet wird, und dass Interpretationshilfen für verschiedene Auslegungen der Statistiken verfügbar sind. Noch glücklicher wäre ich mit einem Lösungsansatz, der positiv, lebensbejahend und konstruktiv Auswege aus den Problemen der Alterspolitik, der Sozialpolitik und deren möglicher Verbindung sucht.

Fazit: Das Buch „Die Methusalem Lüge“ von Ernst Kistler ist eine Auseinandersetzung mit dem Werk „Das Methusalem-Komplott“ von Frank Schirrmacher. Die Argumente (hier Mythen genannt) werden anhand von statistischem Zahlenmaterial widerlegt. Der Autor versucht, die Ursachen für die gängigen Auslegungen zu erforschen. Leider bleibt er eigene Lösungsvorschläge weitgehend schuldig. Für die politische Bildung ist das Buch wertvoll, für die Lösung der aufgezeigten Probleme hingegen nicht. Gesamturteil: befriedigend.

 

Titel Die Methusalem Lüge
Wie mit demographischen Mythen Politik gemacht wird
Autor Ernst Kistler
Erschienen 2006 bei Carl Hanser Verlag, München
Auflage 1. Auflage 2006
Format gebunden mit Schutzumschlag, 272 Seiten
ISBN 978-3-446-40699-5

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