Fehler korrigieren

Keiner blamiert sich gerne. Keiner mag es, wenn er bei seinen Fehltritten beobachtet oder gar ausgelacht wird. Doch wenn jeder Mensch Fehler macht, warum ist das dennoch so unangenehm?

Quelle

In einem Buch über Karrieretipps habe ich eine vergleichbare Formulierung gelesen: „Du darfst Fehler machen, aber niemals den gleichen zweimal.“ – oder so ähnlich, Quelle unbekannt.

Was bedeutet das für mich?

Niemals denselben Fehler zweimal zu machen, ist für mich viel zu krass formuliert, denn es geht am eigentlichen Punkt vorbei. Es geht ja genau nicht darum, Fehler zu vermeiden, sondern zuzulassen. Und manchmal sind alte Gewohnheiten so eingefleischt, dass ich sie nicht auf einen Schlag ändern kann, selbst wenn ich sie als falsch erkannt habe.

Es geht mir darum, aus meinen Fehlern zu lernen, um mich kontinuierlich zu verbessern. Wenn ein Kleinkind laufen lernt, dann ist es normal, dass es fällt. Es steht wieder auf und versucht es erneut. Auch ohne Anleitung lernt ein Kind aus seinen Fehlern, doch manche davon muss es mehrmals machen, bis der Groschen gefallen ist. Das ist nicht schlimm, solange der Lerneffekt folgt.

Verfolgtes Ziel

Ich möchte mich selbst mehr annehmen können, mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten erhalten. Vor allem aber möchte ich meine Kenntnisse erweitern, das ist beinahe unmöglich, wenn ich um jeden Preis Fehler vermeide.

Im Rahmen der Nächstenliebe gestehe ich auch anderen diese Fehlertoleranz zu, siehe auch Regel 7.

Passt das zu meinem christlichen Glauben?

Jesus war immer dafür zu haben, seine Mitmenschen nicht nach ihren Fehlern (der Vergangenheit) zu beurteilen. Er hat die Fehler nicht verschwiegen, hat sie klar beim Namen benannt. Für die unangenehmen Gespräche sucht er oft Situationen, wo er mit den Menschen alleine ist. Sanft bringt er sie dazu, die Fehler selbst zu erkennen und auszusprechen.

Beispiele dafür finden sich in der Geschichte von Zachäus (vgl. Die Bibel, Lukas 19) oder von der Ehebrecherin, die nach jüdischem Recht zu Tode gesteinigt werden soll. Jesus rückt Fehler in das rechte Licht, als er zu den Leuten sagt:

Wer von euch noch nie gesündigt hat, soll den ersten Stein auf sie werfen!

Jesus, die Bibel, Johannes 8, 7

Alle anderen gehen, weil sie erkannt haben, dass jeder Mensch Fehler macht. Unter vier Augen sagt Jesus das, was der Kern dieser Regel sein soll:

Ich verurteile dich auch nicht […] Du kannst gehen, aber sündige nun nicht mehr!

Jesus, die Bibel, Johannes 8, 11

Für mich oder für andere?

Nach meinem Verständnis ist diese Regel zuerst für mich. Denn ich weiß, dass ich mir manche Fehler nicht verzeihen kann. Die Folge ist, dass ich zu oft vor einem zweiten Versuch zurückschrecke.

Wenn ich für andere Menschen Verantwortung übernehme, dir mir Rechenschaft geben, dann kann ich ebenso großzügig sein.

Persönliches

Nur wer nichts tut, macht keine Fehler, allerdings kommt er dann auch nicht voran. Noch schlimmer: Nichts Tun an sich ist oft genug ein Fehler. Aus dieser Perspektive ist es fast nicht möglich, Fehler zu vermeiden. Trotzdem kenne ich das unangenehme Gefühl nur zu gut, das mich beschleicht, wenn wieder einmal etwas schief gegangen ist.
Dann möchte ich am liebsten im Boden versinken. Wenn Fehler unter Strafe oder Sanktionen stehen, befördert das diese ungünstige Ansicht. Wenn dazu kommt, dass perfekte Leistung als normal angesehen wird und nicht einmal besonders lobenswert ist, dann ist die falsche Einstellung zementiert.

Ich brauche dann viel Kraft und Ermutigung, aus einem solchen Teufelskreis wieder herauszukommen. Wie gut, dass es in meinem Leben Menschen gibt, dir mir dabei helfen. Ich möchte eine positive Haltung zum Prinzip „Trial and Error“, in Deutsch in etwa „Versuch und Irrtum“ finden. Daran soll mich diese Regel erinnern.


Dieser Beitrag ist Teil meiner Reihe über meine eigenen Lebensregeln.

Die Bibelstellen sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002 by International Bible Society®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Bildnachweis:Fehler-Korrektur“ Fotograf: Steve Buissine, Südafrika. Freigegeben unter Pixabay Licence.

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