fasting – Fasten als geistliche Übung

Book Cover: Fasting

Jesus hat es getan. Moses hat es getan, der Prophet Daniel hat es getan, viele weitere Begebenheiten in der Bibel berichten, dass wichtige Wendepunkte im geistlichen, aber auch im irdischen Leben nach einer Phase des Fastens geschehen sind. Einzelpersonen fasten dabei ebenso wie ganze Städte oder Volksgruppen. Auch Jentezen Franklin, Pastor der Free Chapel in Gainesville, Georgia, USA praktiziert das gemeinsam mit Mitgliedern seiner Gemeinde.

Dabei geht es nicht um eine Diät oder um eine gesundheitliche Übung. Selbst Daniel, der als Urtyp der Veganer gilt, hat rein geistliche Gründe für seinen Verzicht. Dass in einigen Fällen von gesundheitlichen Auswirkungen berichtet wird, ist ein positiver Nebeneffekt, aber nicht ausschlaggebend für religiöses Fasten.

Fasten bedeutet Verzicht. Dafür gibt es mehrere Abstufungen. Die Bibel berichtet von Leuten, die ihre Nahrung auf Wasser und Gemüse reduziert haben (Daniel und Freunde), andere wiederum essen gar nicht, im Extremfall wird auch auf Trinken verzichtet. In biblischen Berichten ist von Fastenzeiten die Rede, die von einem Tag über mehrere Tage, eine Woche, drei Woche oder 40 Tage gehen.

Belohnung soll nach Aussage im Buch nicht der Grund für das Fasten sein, dennoch ist „Reward“ eines der häufigsten Wörter im vorliegenden Werk. Der Autor ist Pastor in einer evangelikalen Gemeinde in den USA. Bei der Lektüre habe ich den Eindruck, dass Gesundheit und materieller Wohlstand beinahe immer Folge der geistlichen Übungen sind, häufig ist der Wunsch danach die wichtigste Ursache.

Für mich sind jedoch die Kapitel viel hilfreicher, die zur Konzentration auf das Wesentliche auffordern. Fasten bedeutet Verzicht, ich lasse mir meinen Glauben etwas kosten. Das stärkt die Beziehung zu Gott und hilft zu klareren Gedanken und Entscheidungen, die auf der Grundlage der biblischen Lehre weit in den Alltag hinein reichen.

Gottes Willen erkennen und seine Stimme hören, das sehe ich als primäres Ziel solcher Hingabe. Dafür lasse ich gerne die Belohnung aus dem Fokus. Fasten ist kein Tauschgeschäft: Hunger gegen Geschenke. Fasten bedeutet: Gott ist mir so wertvoll, dass ich dafür Opfer bringe.

Fasten ist nicht der Weg zum Heil, sondern die Antwort darauf. Nach der christlichen Lehre kommt niemand durch gute Werke oder geistliche Übungen zu Gott. Allein der Glaube öffnet den Weg dorthin. Im Reformationsjahr 2017 wurde dieser Zusammenhang häufig genannt, den Martin Luther vor 500 Jahren beim Bibelstudium wiederentdeckt hat. Sola gratia – allein durch Gnade.

Fasten bringt in Einklang mit Gott. Die Bibel nennt das „Heiligung“. Ein Leben führen, wie es Gott gefällt, als Reaktion auf Gottes Geschenke, das ist der richtige Weg. Gott kann man nicht bestechen, den Himmel kann man nicht erkaufen. Wohl aber kann ich meine Konzentration lenken und damit meinen Teil beitragen, dass die Beziehung gestärkt wird. Mit dieser Aussage im letzten Kapitel schließt das Buch auch für mich versöhnlich ab.

Fazit: Jentezen Franklin beschreibt in seinem Buch „fasting“ den Stellenwert, den das Fasten als geistliche Disziplin im Leben eines Christen haben kann. Während er für mein Empfinden zu viel Wert auf Belohnung legt, kommt er zum Schluss doch auf den wesentlichen Kern: eine intensivere Beziehung zu Gott. Wenn der Leser aufgeschlossen für das Thema ist, kann das Buch eine gute Einführung sein. Als alleinige Informationsquelle zum Gegenstand ist es für mich etwas einseitig.

 

Titel fasting
Opening the door to a deeper, more intimate, more powerful relationship with God
Sprache Englisch
Autor Jentezen Franklin
Erschienen 2008 bei Charisma House
Original 2004 unter dem Titel „Fasting – the private discipline that brings public reward“
Auflage Neuauflage 2008
Format gebunden mit Schutzumschlag, 240 Seiten
ISBN 978-1-59979-258-3

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