WhyNotWin11 Screenshot

Nachdem Mitte Juni 2021 eine interne Kopie des neuen Betriebssystems Windows 11 an die Öffentlichkeit gelangt ist, hat Microsoft im gleichen Monat offiziell die nächste Version bestätigt. Noch im laufenden Jahr wird Windows 11 als Nachfolger von Windows 10 veröffentlicht. Die ersten Bildschirmfotos sehen vielversprechend aus.

Doch was ist jetzt das Problem? Mit der Veröffentlichung hat Microsoft ein Tool bereitgestellt, mit dem man seinen PC überprüfen kann, ob die Hardware für Windows 11 geeignet ist. Und das Ergebnis hat bei vielen Anwendern für Ernüchterung gesorgt, die Welle der Kritik ist riesig und so hat Microsoft das Tool vorerst zurückgezogen.

Auslöser der Kritik ist vor allem die Beschränkung der geeigneten Prozessoren. Aufgelistet sind nur CPUs, die nach 2017 eingeführt wurden. Dabei gibt es einen klaren Schnitt anhand der Prozessorgeneration und nicht nach der tatsächlichen Leistungsfähigkeit.

Anforderungen

Hier die Hardwareanforderungen für Windows 11 in Kurzform:

  • 64-Bit Prozessor mit mindestens 2 Kernen und 1 GHz Takt
  • Grafikkarte mit DirectX 12 Unterstützung
  • Festplatte/SSD mit mindestens 64 GB freiem Speicher und GPT Partitionierung
  • Mindestens 4 GB RAM
  • Boot-Methode UEFI
  • TPM 2.0 Sicherheitschip vorhanden und „secure boot“ aktiviert

Prüfung des eigenen PC

In den offiziellen Microsoft-Dokumenten gibt es eine detaillierte Liste der unterstützten Prozessoren, zu finden unter diesem Link:

https://docs.microsoft.com/de-de/windows-hardware/design/minimum/windows-processor-requirements

Hier fällt auf, dass Prozessoren der Intel Core-i Baureihe erst ab Generation 8 und der AMD Ryzen Baureihe erst ab Generation 2 unterstützt werden, beide wurden ab ca. Ende 2017 vermarktet.

Wie schon erwähnt, hat Microsoft sein Programm zur Prüfung der Hardware-Anforderungen zurückgezogen. Es gibt aber eine Open-Source-Lösung aus der Community mit dem Namen „WhyNotWin11“:

https://github.com/rcmaehl/WhyNotWin11

Unter dem Screenshot findet sich dort der Download-Link.

Why Not Win 11 – Open Source Tool

Abhilfe

Architektur: Wenn der Prozessor keine 64-Bit CPU ist, dann gibt es keine Chance auf Windows 11, hier hilft nur ein neuer PC oder beim bestehenden System bleiben.

Boot-Methode: Wenn hier „legacy“ aufgeführt ist, muss man Prüfen, ob das im PC verbaute Mainboard UEFI unterstützt. Diese Information kann man bei Google finden, indem man entweder das PC-Modell oder den Namen des Mainboards eingibt, dazu den Suchbegriff UEFI. In der Regel ist das auch im Handbuch des Mainboards beschrieben.

CPU-Kompatibilität: Hier wird der Prozessor anhand der oben genannten Liste von Microsoft abgeglichen. Im Unterschied zum Microsoft-Tool gibt es hier nicht nur grün oder rot, sondern auch gelb als Markierung. Rot bedeutet, dass der Prozessor nicht passt, grün bedeutet, dass er definitiv geeignet ist. Wird der Punkt gelb markiert, dann kann man sich noch Hoffnung machen, denn Microsoft prüft aktuell, weitere Prozessoren in die Liste der geeigneten Hardware aufzunehmen.

CPU Kernanzahl: Fast jeder PC hat heute einen Prozessor mit 2 oder mehr Kernen. Falls nicht, ist Windows 11 ausgeschlossen.

CPU Frequenz: Fast jeder PC hat heute einen Prozessor mit mehr als 1 GHz Taktrate. Falls nicht, ist Windows 11 ausgeschlossen.

DirectX: Seit ca. 2015 ist jede neue Grafikkarte mit DirectX 12 ausgestattet, für einige ältere Modelle wurden kompatible Treiber nachgeliefert. Falls hier rot angezeigt wird, sollte man nach aktualisierten Grafiktreibern suchen. Führt das nicht zum Erfolg, dann lohnt es sich meist nicht mehr, den PC für Windows 11 fit zu machen.

Partitionstyp: Falls hier nicht GPT sondern MBR erkannt wurde, kann man das mit einem Tool von Microsoft umstellen. Achtung! Unbedingt vorher eine Datensicherung machen! Falls der PC während der Konvertierung abstürzt, ist das System unter Umständen nicht mehr nutzbar und muss vollständig neu installiert werden.

Hier gibt es das Tool: https://docs.microsoft.com/de-de/windows/deployment/mbr-to-gpt

Installierter RAM: Falls hier zu wenig installiert ist, ist ein Nachrüsten oft möglich. Das lohnt sich aber nur, solange nicht weitere kostspielige Upgrades erforderlich sind.

Secure Boot: Wenn das Mainboard ein TPM 2.0 Modul hat (s.o.), dann wird in der Regel auch secure Boot unterstützt. Es kann jedoch sein, dass dieses Feature im BIOS abgestellt ist. Im Handbuch des PC/Mainboard ist beschrieben, wie man diese Funktion aktiviert. Dazu gibt es ebenfalls viele Anleitungen und Videos im Netz.

ACHTUNG! Bevor man secure Boot aktiviert, sollte sichergestellt sein, dass die Bootpartition von MBR auf GPT umgestellt ist, sonst startet der PC möglicherweise nicht mehr (s.o.).

Verfügbarer Speicher: Wird hier zu wenig Speicherplatz angezeigt, dann sollte man eine größere Festplatte oder gleich eine SSD einbauen. Auch dies lohnt sich nur, wenn die übrigen Punkte weitgehend erfüllt sind.

TPM-Version: Dies ist eine Hardware-Eigenschaft des PC bzw. der Hauptplatine. Wird dies hier nicht erkannt, sollte man ebenfalls im BIOS nachsehen, ob die Funktion vorhanden aber abgeschaltet ist und dies aktivieren. Ist auf dem PC kein TPM vorhanden oder nur eine Version 1.x, dann kann Windows 11 ebenfalls nicht installiert werden.

PC aufrüsten

Manchmal ist es damit getan, eine neuere CPU in den bestehenden PC einzubauen und alles läuft wie gewünscht. Ist der PC in ein Standardgehäuse nach ATX-Format eingebaut, kann man auch ein sogenanntes Aufrüst-Kit einbauen, mit dem gleich mehrere kritische Komponenten auf neuesten Stand gebracht werden.

Für alle, die keine Erfahrung im PC-Basteln haben, empfehle ich den Gang zum lokalen PC-Laden. Diese Händler haben oft unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie gelitten und freuen sich über Kunden aus der Umgebung.

Bei Laptops, Mini-PCs, All-in-one-Geräten und bei einigen Markenherstellern ist das Aufrüsten nicht oder nur zu enormen Preisen möglich.

PC neu kaufen

Beim Kauf eines neuen PCs gibt es nicht viel zu beachten. Beinahe alle angebotenen Geräte erfüllen ab Werk die Bedingungen für Windows 11, häufig wird dies ab sofort sogar im Werbetext mit angegeben.

Beim Kauf eines gebrauchten PCs, auch sogenannte Refurbished-Ware mit Garantie, sollte man unbedingt darauf achten, dass die Hardware-Anforderungen von Windows 11 erfüllt sind. Bei privaten Anbietern kann man darum bitten, das oben beschriebene Tool auszuführen und einen Screenshot vorzuzeigen.

Windows 11 ignorieren

Wenn der eigene PC stabil mit Windows 10 läuft, dann kann man bei fehlender Kompatibilität den Umstieg auf Windows 11 getrost erst einmal bleiben lassen. Windows 10 wird zwar nicht mehr weiterentwickelt, aber bis Oktober 2025 mit Sicherheitsupdates versorgt. So lange kann man das System ohne Bedenken weiter betreiben. Auch ein Mischbetrieb, z. B. Windows 11 PC und Windows 10 Notebook im selben Netzwerk ist möglich.

Mein Tipp: Jeden Monat 10 bis 15 Euro in die Spardose werfen und im Oktober 2025 einen schicken neuen PC oder Laptop kaufen, ohne dafür Schulden zu machen. :-)

Und was ist jetzt mit Schrott? – Mein Fazit

Wer auf den Umstieg zu Windows 11 angewiesen ist, weil z.B. die Firmenpolitik das vorschreibt oder weil eine wichtige Software nicht länger unter Windows 10 läuft, der muss seinen alten PC tatsächlich abstoßen, falls die Tipps von oben nicht helfen. Das wird sicher nicht gleich passieren.

Aus Erfahrung weiß ich, dass selbst ein 10 Jahre alter PC oder Laptop unter Windows 10 locker ausreicht, um damit Büroarbeiten zu verrichten und sich flüssig im Internet zu bewegen. Bitte solche PCs nicht auf den Müll bringen, sondern im Bekanntenkreis oder auf Marktplätzen anbieten oder an eine soziale Einrichtung spenden. Im Internet gibt es umfangreiche Anleitungen, wie man seine persönlichen Daten vollständig vom PC entfernen kann.

Trotzdem bedaure ich die Vorgehensweise von Microsoft, einfach einen Schnitt bei einem bestimmten Baujahr zu ziehen, ab dem die PCs nicht mehr für Windows 11 geeignet sind. Dabei gibt es PCs aus dem Jahr 2015, die deutlich leistungsfähiger sind, als Einsteigermodelle aus dem letzten Jahr.

Meiner Meinung nach sollte Microsoft technische Gründe offen kommunizieren und in den übrigen Fällen uns Anwendern überlassen, ob wir den Umstieg auf „alter“ Hardware durchführen möchten. Die Verwendung von TPM 2.0 und secure Boot finde ich persönlich zwar nicht in jeder Hinsicht gut, aber das kann ich als technischen Grund akzeptieren. Warum ein 8-Kern Prozessor mit 3,5 GHz Takt aus dem Jahr 2016 nicht länger geeignet sein soll, kann ich dagegen nicht nachvollziehen.

Ich wünsche mir hier ein deutlich höheres Umweltbewusstsein von Microsoft.

Zusammenfassend kann ich sagen: PCs der letzten 1-3 Jahre sind meist von Haus aus für Windows 11 geeignet, evtl. muss ich einige Einstellungen ändern. Bei älteren PCs sind Investitionen erforderlich oder eine Umstellung ist gar nicht möglich, so bei meinem Laptop aus 2013. Hier kann ich getrost bis Oktober 2025 mit Windows 10 weiterarbeiten.

3 Kommentare zu “Elektronikschrott durch Windows 11?

  1. Am Berg des Elektroschrotts trägt Microsoft wahrlich dazu bei. Viele Rechner müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden, nur weil die Hardwareanforderungen nicht mehr ausreichen.
    Schade um die Ressourcen, die so verschleudert werden.
    Es gibt sicher Millionen von Rechnern, die älter als 4 Jahre sind und noch unter Windows 10 problemlos laufen.
    Zudem hat Microsoft einen sehr guten “Zeitpunkt” für die Erneuerung gewählt im Zeitalter des weltweiten Halbleitermangels. Man hätte problemlos noch ein- bis zwei Jahre zuwarten können, um die Hardwareanforderungen zu steigern.
    Vielleicht wird es noch einen massiven Wiederstand gegen Microsofts Politik geben, für Windows 10 im Oktober 2025 schon den Stecker zu ziehen. Es ist zu hoffen, auch unserer Umwelt zuliebe.

    1. Hallo Heinrich,

      es mag wohl gute Gründe geben für die Hardwareanforderungen. Mich stört vor allem, dass Microsoft das nicht gut an die Kunden kommuniziert. Dazu kommen noch die aktuellen Performance Probleme mit AMD Prozessoren, da Microsoft während der Entwicklung wohl ausschließlich mit Intel zusammengearbeitet haben soll. Davon bin ich selbst betroffen mit meinem PC vom letzten Jahr. Ich bleibe vorerst auf Windows 10.

      Herzliche Grüße, Joe

  2. Aktuell hat Microsoft bekannt gegeben, dass sie nun auch weitere Prozessoren prüfen, ob diese für Windows 11 geeignet sind: Intel Core i Prozessoren der Generation 7 und AMD Zen Prozessoren der Generation 1. Diese Änderungen werden “aufgrund des bisherigen Feedbacks” geprüft. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.