Buch: Neuromancer – Grundlage eines ganzen Science-Fiction Genres

Buchcover Neuromancer von William Gibson

Case, ein ehemaliger Hacker („Konsolen-Cowboy“) wurde durch ein Nervengift so geschädigt, dass er sich nicht mehr über eine Nerven-Schnittstelle mit dem Cyberspace verbinden konnte. Als menschlicher Hauptcharakter führt er durch die komplette Handlung, ist aber letztlich doch immer von der Steuerung durch einen Computer abhängig.

Zu Beginn der Geschichte zieht er in die Stadt Chiba, um seinen Bio-Defekt reparieren zu lassen, stattdessen landet er aber im gesellschaftlichen Abseits, wird drogenabhängig und hält sich mit kriminellen Machenschaften bis hin zum Mord über Wasser. Er lernt die Prostituierte Molly kennen und kommt schließlich in Kontakt zu Armitage, einem Ex-Soldaten der durch eine künstliche Intelligenz gesteuert wird. Über diesen wird Case angeheuert, einen Auftrag im Cyberspace durchzuführen, als Bezahlung wird sein Nervensystem repariert. Damit er nach der Heilung nicht abtrünnig wird, wurden ihm Giftkapseln implantiert, die am Ende entfernt werden sollten. Außerdem wurde sein Körper so verändert, dass er Drogen nicht mehr verarbeiten kann und somit seine Abhängigkeit verliert.

Hinter all dem steht die Künstliche Intelligenz (KI) „Wintermute“. Sie hat erkannt, dass sie über sich hinauswachsen könnte, wenn sie die Schranken überwindet, die ihre Schöfperin fest in ihrem Programm hinterlegt hat. Dazu will sie sich mit ihrem Zwilling, der KI „Neuromancer“ vereinen, die ebenfalls eine Beschränkung enthält. Während Wintermute kalt, berechnend und logisch ist, ist Neuromancer emotional, mitfühlend, romantisch. Die Handlung folgt nun dem roten Faden, diese Vereinigung zu erreichen und findet abwechselnd in der Realen Welt und im Cyberspace statt.

Der Science-Fiction Roman von William Gibson begründet gleich ein ganz neues Genre, den sogenannten Cyberpunk, dem in der Folge etliche Romane, Filme und Computerspiele zugeordnet werden. Unter anderem wurden die Filme Johnny Mnemonic und die Matrix-Trilogie aus diesem Roman abgeleitet. Im Cyberpunk ist die Zukunft oft düster und menschenverachtend dargestellt, Maschinen sind der Feind oder haben sich den Menschen längst Untertan gemacht. Die schöne neue Welt findet nur noch als digitale Illusion statt. So ist dieser Roman schließlich auch Begriffgeber für Wortschöpfungen wie „Cyberspace“, die in den allgemeinen Sprachgebrauch Einzug halten.

In der ersten Übersetzung von Reinhard Heinz von 1987 liest sich der Text teilweise recht zäh, es wird eine Vielzahl an Wortschöpfungen gebraucht, die jeweils beim ersten Auftreten in einer Fußnote erklärt sind, ebenso Begriffe aus dem englichen oder japanischen Sprachgebrauch. Zudem gibt es Fußnoten des Übersetzers, der auf Wortspiele oder ähnliches im Originaltext hinweist. Möglicherweise wurden in der überarbeiteten Übersetzung von 2000 einige Kritikpunkte abgestellt, diese liegt mir aber nicht vor.

Dieses Buch gilt als Pflichtlektüre für Science-Fiction Fans ebenso wie für Wissenschaftler aus dem Bereich Informatik oder der allgemeinen Zukunfsforschung. Es thematisiert auf düstere Art die Technikfolgenabschätzung hinsichtlich der autonomen Weiterentwicklung und einem möglichen Eigenleben von künstlichen Intelligenz-Systemen. In diesem Fall ist besonders perfide, dass die Schöpferin der beiden KI-Systeme jeweils eine Schranke fest eingebaut hat, das KI-System selbst aber entschließt, diese Schranken zu überwinden und dafür über Leichen geht.

Fazit: Eine düstere Zukunftsvision, in der die Technik sich über den Menschen erhebt und die Menschen für ihre Zwecke einsetzt. Keine leichte Lektüre, aber unbedingt lesens- und bedenkenswert.

 

Autor Gibson, William
Übersetzer Heinz, Reinhard
Erschienen Original 1984
Deutsche Ausgabe 1987 bei Heyne-Verlag, München
Auflage 8. Auflage 1998
Format Taschenbuch, 366 Seiten
ISBN 987-3-453-05665-7

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