Open Source Projektmanagement

Buchtitel: Open Source Projektmanagement

Wer Linux in den frühen Tagen miterlebt hat, der kennt noch die Idee, dass Open Source Software sicher nichts mit Projektmanagement zu tun hat. Heute hat sich das grundlegend geändert: Oft sind es die freien Projekte, die am besten organisiert sind. Nach wie vor gibt es jedoch eine große Zahl von chaotischen oder verwaisten Programmen. Andere werden nach Unstimmigkeiten im Team gespalten und mit verschiedener Ausrichtung weiterentwickelt.

Michael Prokop folgert in seinem Buch „Open Source Projektmanagement“, dass eine durchdachte Struktur ein wichtiger Erfolgsfaktor für freie Software ist. Längst sind die Teams aus den dunklen Kellern und Garagen heraus, arbeiten in Konzernen oder erfolgreichen internationalen Teams. Inzwischen ist klar, dass quelloffene Software durchaus ein Wirtschaftsfaktor ist. Firmen verdienen nicht mit der Lizenz, aber mit der Wartung, der Beratung, der Dokumentation oder der Erweiterung solcher Produkte ihr Geld.

Im Vergleich zu kommerzieller Programmierung finden sich kaum noch Unterschiede. Die Herangehensweisen nähern sich an – von beiden Seiten. Die freiwillige und unbezahlte Mitarbeit ist die markanteste Abweichung. Dadurch werden neue Methoden der Organisation notwendig. Bei gut geführten Projekten sind die Gemeinsamkeiten unübersehbar:

Vor dem Start eines Projekts steht die Planung. Sie besteht aus der Idee und der Auswahl verschiedener Rahmenbedingungen (Name, Logo, Lizenz, Marketing). Das Entwicklungsmodell wird vor dem Beginn festgelegt, ebenso das Kernteam und die Programmierumgebung. Erst danach beginnt die eigentliche Umsetzung. Auch die ergebnisorientierten Teilaufgaben ähneln denen von kommerziellen Projekten. Dazu gehören Releasemanagement, Dokumentation und Unterstützung der Anwender. Alle Bestandteile führt der Autor strukturiert auf und stellt jeweils Werkzeuge dazu vor.

Leider ist das Buch aus dem Jahr 2010, sodass neuere Methoden nicht vorkommen. Der Verlag hat seine Tätigkeit in 2015 eingestellt, daher gibt es keine Neuauflage. Auch hat der Autor bisher meines Wissens bei keinem anderen Verleger veröffentlicht. Neben Änderungen im Werkzeugkasten (z.B. Container-Dienste wie Docker) fehlen Beschreibungen agiler Projektmanagement-Methoden, die heute auch für dezentrale Teams in unterschiedlichen Zeitzonen beschrieben sind (angepasste SCRUM oder Kanban Modelle).

Ferner hat mich gestört, dass der Autor an vielen Stellen vorwiegend auf die Open Source Entwicklung im Linux-Umfeld eingegangen ist. Spätestens seit der OS-Initiative von Microsoft ist klar, dass die Wahl des Betriebssystems bei der Beschäftigung mit freier oder quelloffener Softwareentwicklung keine Rolle mehr spielt.

Die Grundlagen, die der Autor aufführt, bleiben noch lange gültig. Durch die gute Struktur ist das Werk somit eine wichtige Informationsquelle. Nach der Verlagsauflösung wurde die Preisbindung aufgehoben, das Paperback ist daher auch im neuen Zustand sehr preiswert zu erhalten.

Fazit: Im Buch „Open Source Projektmanagement“ beschreibt Michael Prokop den strukturierten Aufbau eines neuen Softwareprojekts mit freier Lizenz. Er geht auf die Besonderheiten im Vergleich zu kommerziellen Unternehmen detailliert ein. Leider gibt es keine aktualisierte Auflage der Veröffentlichung, sodass einige Informationen überholt sind und jüngste Entwicklungen fehlen. Als Grundlagenbuch bleibt es geeignet, der Leser muss aber die Lücke seit dem Erscheinungsdatum aus anderen Quellen schließen.

 

Titel Open Source Projektmanagement
Softwareentwicklung von der Idee zur Marktreife
Autor Michael Prokop
Erschienen 2010 bei Open Source Press
Auflage 1. Auflage 2010
Format Paperback, 255 Seiten
DDC-Klassifikation 005.1068
ISBN 978-3-93751-460-4

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