Hochsensible im Beruf – wie empfindsame Menschen leben und arbeiten

Buchtitel: Hochsensible im Beruf

Ich sehe Dinge, die andere nicht wahrnehmen. Ich höre Details, die scheinbar niemand sonst beachtet. Ich rieche das Deo schon 10 Meter gegen den Wind. Wenn jemand besonders traurig, bedrückt oder auch fröhlich ist, fällt mir das schnell auf. Kleinigkeiten, die für die meisten Menschen unwichtig sind, nehme ich sofort wahr. Irgendwie wusste ich das schon lange, konnte dieses Phänomen aber nicht klar benennen.

Erst seit dem Beginn meiner Auszeit habe ich die Muße gefunden, mich mit den außergewöhnlichen Seiten meiner Persönlichkeit zu beschäftigen. Zuerst bin ich mit negativer Einstellung an das Thema herangegangen, denn beinahe alles, was mich von anderen Menschen unterscheidet, habe ich selbst als Fluch oder Versagen wahrgenommen. Durch verschiedene Literatur und Anregung von Freunden und meiner Familie habe ich entdeckt, was da tatsächlich in mir steckt.

Brigitte Schorr beschreibt in ihrem Buch, dass die Hochsensitivität kein Fehler ist. Sie ist eine Begabung, die auf ca. 15-20% der Bevölkerung zutrifft. In beinahe allen Gesellschaften gibt es spezielle Rollen, die von solchen Personen wahrgenommen werden. Oft sind das die Berater, Priester oder Dozenten, auch in sozialen Berufen sind Hochsensible oft anzutreffen.

Bis zum Mittelalter sind Menschen mit sensibler Begabung hoch angesehen. In asiatischen Kulturen sind sie bis heute wichtiger Teil der Gesellschaft. Leider passen die Eigenschaften nicht recht zur Devise „schneller, höher, weiter“. Angeregt aus der Beratungspraxis schreibt die Autorin einen Leitfaden für die berufliche Perspektive der Betroffenen.

Ein großer Teil der hochsensiblen Menschen ist eher still, introvertiert, häufig mit geringem Selbstbewusstsein ausgestattet. Sie verzeihen sich ihre Fehler nicht – und oft auch nicht ihrer Umgebung. Sie sind Perfektionisten, verlieren sich gerne in Details. Auf der anderen Seite sind sie gute Zuhörer, bemerken Lücken in Planungen, können gut vermitteln und frühzeitig eingreifen, wenn die Stimmung in einer Gruppe kippt. In weiten Teilen erkenne ich mich in dieser Beschreibung wieder.

Die positiven Aspekte dieser Begabung zu stärken und die negativen zu bewältigen, ist das Ziel der Autorin. Sie gibt praktische Ratschläge und beschreibt den (arbeitsreichen) Weg dorthin. Sie hilft betroffenen, sich aus der Opferrolle zu befreien, in die von der Umwelt gedrängt werden oder in die sie sich selbst zurückgezogen haben. Sie verschweigt dabei nicht, dass es Punkte gibt, die man nicht verändern kann. Manchmal bleibt nur ein Wechsel der Umgebung, wenn andere Hilfsmittel nicht greifen. Meist finden sich aber kleine Änderungen im Alltag, die Abhilfe schaffen.

Im Anhang sind einige Fragebögen abgedruckt, mit denen der Leser beurteilen kann, ob er zur beschriebenen Personengruppe gehört. In meinem Fall ist das Ergebnis eindeutig. Das hilft mir, mein Leben im Rückblick zu verstehen. Noch mehr setze ich die Hoffnung auf die Tipps zur Bewältigung des Berufsalltags. Diese eröffnen mir die Möglichkeit, die positiven Aspekte meiner Begabung einzusetzen. Ich möchte in einer sinnerfüllten Tätigkeit jeden Tag die Welt ein kleines Stück verbessern. Darauf arbeite ich hin.

Fazit: Brigitte Schorr beschreibt in ihrem Buch „Hochsensible im Beruf“ die Eigenschaften und typischen Entwicklungen von hochsensitiven Menschen. Sie wendet die allgemeinen Erkenntnisse speziell auf die Berufssituation an. Vor allem ermutigt sie die Leser, diese Begabung positiv zu sehen. Durch die hoffnungsfrohe Sichtweise hat mich das Buch besonders angesprochen. Für Betroffene und Familienangehörige empfehle ich die Lektüre wärmstens.

 

Titel Hochsensible im Beruf
Wie empfindsame Menschen leben und arbeiten
Autorin Brigitte Schorr
Erschienen 2018 bei SCM Verlagsgruppe, Holzgerlingen
Auflage 1. Auflage 2018
Format Paperback, 205 Seiten
DDC-Klassifikation 155.232
ISBN 978-3-7751-5827-5

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