We steal secrets – die Wikileaks Geschichte

Blue-Ray-Cover: We steal secrets - Die Wikileaks Geschichte

„Die Wahrheit hat Konsequenzen“, auf die eine oder andere Weise. WikiLeaks setzt sich von Anfang an dafür ein, geheime Informationen kompromisslos offenzulegen. Unweigerlich führt das zu moralischen Konflikten, wie auch Julian Assange erkennen muss, als er immer brisantere Dokumente über die Plattform veröffentlicht. Die vorliegende Dokumentation über Wikileaks ist über lange Strecken vor allem eine Biographie über Julian Assange und Bradley Manning.

Schon früh ist Julian Assange in Australien als Hacker aufgefallen, war aktiv am Einbruch in geschützte Computersysteme beteiligt. Später setzt er dann die Plattform Wikileaks auf und fordert weltweit dazu auf, streng geheime staatliche Dokumente dort anonym zu veröffentlichen. Er garantiert die Geheimhaltung der Quellen als höchstes Ziel der Organisation. Lange Zeit ist nicht klar, dass Wikileaks keine große Bewegung ist, sondern neben Julian Assange nur ganz wenige Mitarbeiter im engen Kern tätig sind.

Bradley Manning, als US-Militäranalyst im Irak eingesetzt, hat in seiner Position Zugriff auf große Mengen streng geheimen Materials. Als er sich aus Neugier mit dem Inhalt auseinandersetzt, erkennt er die allgemeine Verharmlosung der tatsächlichen Kriegsfolgen in den Medien. Er kopiert hunderttausende von Dokumenten. Er vertraut sich einem Hacker an und chattet mit ihm offen über seine Ängste, seine Identitätskrise und seinen ethischen Konflikt. Schließlich übergibt Manning die Dokumente an Wikileaks. Später ist es eben der vertraute Gesprächspartner, der ihn an die US-Regierung verrät. Bradley Manning wird festgenommen.

Öffentlichkeitswirksam will Assange die Dokumente veröffentlichen, gerät aber in Konflikt mit Mitstreitern, weil er durch die kompromisslose Offenlegung auch Menschen in Lebensgefahr bringen würde. Die Dokumente enthalten im Klartext Namen von geheimen Mitarbeitern oder von einheimischen Informanten des Militärs. Assange veröffentlicht einen kleinen Teil der Dokumente, während gleichzeitig eine Auswahl davon journalistisch bearbeitet in mehreren international rennomierten Zeitungen erscheint. Erst bei den weiteren Teilveröffentlichungen sind kritische Nennungen geschwärzt.

Als Bradley Manning öffentlich des Verrats bezichtigt wird, entwickelt Assange zunehmend paranoide Züge und richtet sein Misstrauen auch gegen enge Weggefährten. Schließlich wird er in Schweden wegen zweier Sexualdelikte angezeigt. Er hält sich nicht an die Auflagen der schwedischen Polizei, sondern vermutet eine inszenierte Aktion amerikanischer Geheimdienste hinter dieser Sache. In London flüchtet er in die Botschaft von Ecuador und erhält dort politisches Asyl.

Die Dokumentation zeigt gut die immer wiederkehrenden ethischen und moralischen Verwicklungen der Enthüllungsplattform. Auf der einen Seite will Wikileaks die amerikanischen Verstöße gegen Kriegsrecht offenlegen, gerade dann wenn unbeteiligte Zivilisten zum Opfer werden. Demgegenüber äußert Assange aber, dass ein einheimischer Informant, der dem US-Militär Informationen übermittelt, sich selbst in Gefahr gebracht habe und keinen Schutz verdiene. Gleiches Recht für alle gilt scheinbar nicht für Wikileaks, vielmehr heiligt der Zweck dort die Mittel. Auch bringt der Film klar zum Ausdruck, wie stark die Plattform von der Persönlichkeit ihres Gründers abhängt und darunter leidet.

Obwohl der Dokumentarfilm „die Wikileaks Geschichte“ erzählen will, beschränkt er sich auf wenige wichtige Teilaspekte. Die internen Querelen, die z.B. Daniel Domscheit-Berg in seinem Buch „Inside Wikileaks“ berichtet und die schließlich zur Trennung geführt haben, kommen nicht vor. Die Verbindungen zu anderen Organisationen, wie den in mehreren europäischen Ländern entstehenden Piraten-Parteien oder den Hacker-Clubs werden höchstens marginal erwähnt. Der moralische Konflikt, der aus den Veröffentlichungen entsteht, wird aber gut ausgearbeitet.

Fazit: Eine sehenswerte Dokumentation, in der die Entwicklung von Wikileaks bis 2013 dargestellt wird. Leider wird aus der Doku selbst nicht klar, dass wichtige Teilaspekte unerwähnt bleiben. Für ein umfassendes Bild über Wikileaks und die Personen Assange und Manning empfehle ich weitere Literatur zu Rate zu ziehen. Die zweistündige Dokumentation ist gut strukturiert aufgebaut und stellt Zusammenhänge dar, die in Zeitung und TV meist verloren gehen. Insgesamt befriedigend.

 

Titel We steal secrets
Die Wikileaks Geschichte
Medium Blue-Ray Disc
Dauer 130 Minuten
Format 16:9
Sprachen Deutsch, Englisch
Altersfreigabe ab 12
Veröffentlicht 2013
Regie Alex Gibney

Diese Filmbeschreibung ist Teil meiner Reihe über sogenannte Hacker-Filme, das sind Filme, in denen Computereinbruch und kreative Techniknutzung eine gewisse Rolle spielen oder sogar zum Hauptthema erhoben werden. Ich beschäftige mich mit der Darstellung dieser digitalen Subkultur aus privatem und beruflichem Interesse. Häufig sind die technischen Details haarsträubend unrealistisch und durch Effekte dargestellt, die allein der Dramaturgie dienen, nicht dem Verständnis der Technik. Die Sammlung „Hacker-Filme“ wird am Ende über 40 Einträge umfassen.


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