Tatort Echolot – sie haben es schon wieder getan

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Die Mitbegründerin eines Bremer Startup-Unternehmens kommt bei einem Autounfall ums Leben. Das Ermittlerteam von der Mordkommission findet heraus, dass es kein Unfall war, sondern eine Manipulation der Steuerelektronik des Autos. Im Laufe der Ermittlung kommen verschiedene Verdächtige aus den altebekannten Motiven infrage (Eifersucht, Geld, Macht). Am Ende kommt es dann so, wie der geneigte Betrachter bereits früh vermutet hat: Der Computer war’s.

Nachdem vor wenigen Wochen bereits in der 991. Folge aus Stuttgart ein Tatort rund um das Motiv von Stanley Kubricks Meisterwerk „2001: Odyssee im Weltraum“ konstruiert wurde, spielt dasselbe Thema auch in dieser Folge (998) die zentrale Rolle. Die Künstliche Intelligenz „Nessa“ scheint die Ermittler zu unterstützen, bis am Ende klar wird, dass die KI selbst die Manipulation ausgeführt hat.

Immerhin wir der künstliche Charakter diesmal nicht als echt emotional dargestellt, sondern er folgt strikt einer Anweisung in einer Programmzeile, die dafür sorgt, dass das Programm sich selbst schützt. Aber auch diesmal bliebt die Frage ungeklärt, wer letztlich die Verantwortung trägt: Die Maschine oder der Mensch, der die Maschine konstruiert hat.

Schade, dass auch hier wieder eine Science-Fiction dargestellt wurde, die der Realität um einige Jahre voraus ist, ohne das wirkliche Problem und eine echte Lösung aufzuzeigen. Es ist gut, sich mit diesen Fragestellungen auseinanderzusetzen, wie dies der SF-Autor Isaac Asimov bereits vor 70 Jahren getan hat – er formulierte die drei – später vier – Grundgesetze für Roboter, die auch in diesem Fall nicht implementiert waren.

Die Darstellung der Startup-Szene war bis zur Unkenntlichkeit überzeichnet, die Spezialistin vom BKA ebenso, die scheinbare Expertise der Akteure war nicht wirklich nachvollziehbar, wie fast üblich waren einige Computer-Szenen unrealistisch und wieder einmal nur der Dramaturgie geschuldet.

Fazit: Durch die zeitliche Nähe zum Tatort-Fall HAL mit dem selben Thema schneidet die Episode in meinen Augen schlechter ab, als wenn ich sie allein betrachtet hätte. Als Tatort betrachtet nur Mittelmaß, als Hackerfilm unterdurchschnittlich. Die mangelhafte Abstimmung mit den Partner-Sendern ist für mich unverständlich, für sich alleine genommen ist die Folge ausreichend, sicher kein Meisterwerk.

 

Medium Fernseh-Ausstrahlung
Dauer 89 Minuten
Format 16:9
Sprachen Deutsch
Altersfreigabe ab 12
Veröffentlicht 2016
Regie Claudia Prietzel, Peter Henning
Schauspieler Sabine Postel,
Oliver Mommsen,
Adina Vetter

Diese Filmbeschreibung ist Teil meiner Reihe über sogenannte Hacker-Filme, das sind Filme, in denen Computereinbruch und kreative Techniknutzung eine gewisse Rolle spielen oder sogar zum Hauptthema erhoben werden. Ich beschäftige mich mit der Darstellung dieser digitalen Subkultur aus privatem und beruflichem Interesse. Häufig sind die technischen Details haarsträubend unrealistisch und durch Effekte dargestellt, die allein der Dramaturgie dienen, nicht dem Verständnis der Technik. Die Sammlung „Hacker-Filme“ wird am Ende über 40 Einträge umfassen.


Titelbild von Unbekannt – Die Vektordaten für diese SVG entstammen dem Brands-of-the-World-Archiv. Der genaue Datenbankeintrag ist über folgenden Weblink zu finden: Tatort, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30045039


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