Platz ist in der kleinsten Hütte – vom Segen der Gastfreundschaft

Buchtitel: Platz ist in der kleinsten Hütte

Gastfreundschaft ist nicht einfach nur ein guter Brauch, Gastfreundschaft ist ein zentrales Element in christlichen Gemeinden. In den ersten zwei Jahrhunderten – bevor das Christentum in Rom Staatsreligion wurde – war das Treffen in privaten Häusern essentiell für Gemeinden. Besuch empfangen und bewirten – das war selbstverständlicher Bestandteil des Lebens als Christ.

Alexander Strauch beschreibt anhand zahlreicher Bibelzitate, dass der Empfang von Gästen so grundlegend mit dem Leben als Christen verbunden war, dass es unzählige Stellen im neuen Testament gibt, die über Gastfreundschaft berichten. Trotzdem wurde sie wohl nicht von allen Mitgliedern der Gemeinde gleichermaßen praktiziert, denn es gibt auch Briefe, in denen dazu aufgefordert wird, die Gastfreundschaft zu praktizieren. Paulus warnt mehrfach ausdrücklich davor, diese Tugend zu vernachlässigen.

Viel ermutigender sind aber die Stellen in der Bibel, in denen der Segen beschrieben wird, der aus der Gastfreundschaft entsteht, sowohl für den Gastgeber als auch für den Gast. Die ersten Christen wurden an ihrem liebevollen Umgang untereinander von ihrer Umgebung wahrgenommen – und die Gastfreundschaft war der Ausdruck dafür.

In der heutigen Zeit fällt es den meisten viel schwerer, Gastfreundschaft zu praktizieren, denn man macht sich dadurch auch verletzlich. Man teilt seine Zeit mit anderen und hat keine volle Kontrolle mehr darüber. Man öffnet seinen privatesten Lebensbereich für Menschen, die nicht zur biologischen Familie gehören. Eigentum, Freiheit, Selbstbestimmung und letztlich Egoismus steuern unser Leben und all das ist nicht leicht mit Gastfreundschaft vereinbar.

Ein Teil des Buches klingt deutlich nach dem erhobenen Zeigefinger und nach Moralpredigt. Anhand von Zitaten aus der Bibel werden negative Folgen für Verweigerer der Gastfreundschaft belegt, aber auch für unwürdige Gäste. Das gehört zwar zu einer umfassenden Auslegung der Bibel in dieser Sache dazu, trägt aber in meinen Augen nicht gerade zur Ermutigung bei. Zum Ende des Textes überwiegen dann aber die positiven Aspekte, in denen der Autor die Gastfreundschaft als win-win-Situation darstellt. Es folgen einige praktische Ratschläge, wie Gastfreundschaft funktioniert, wie man seine guten Vorsätze auch in die Tat umsetzt und wie man Mitchristen für dieses Thema begeistern kann.

Wenn Kirchen dieses Buch als Grundlage für eine Themenreihe in kleinen Gruppen von Gläubigen verwenden möchten, dann können sie am Ende des Textes auf einige vorbereitete Fragen zurückgreifen, die eine Basis für eine offene Diskussion darstellen.

Fazit: Das Thema „Gastfreundschaft“ wird in diesem Buch anhand vieler Bibelstellen umfassend ausgelegt. Mitunter bleibt der Text etwas trocken oder theoretisch. Erst zum Ende gibt es hilfreiche Tipps für die Praxis. Deshalb empfinde ich das Buch nur als befriedigend. Für einen lebendigeren Zugang zu diesem Thema empfehle ich das Büchlein „Vom Gehemnis der Gastfreundschaft“, das ich bereits beschrieben habe.

 

Titel Platz ist in der kleinsten Hütte
Vom Segen der Gastfreundschaft
Autor Alexander Strauch
Übersetzer Janette Reinhard
Erschienen Original 1993 („Hospitality Commands“),
Aktuelle Ausgabe: Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2015
Auflage 1. Auflage der Neuübersetzung 2015
Format gebunden, 112 Seiten
ISBN 978-3-86353-122-5

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