Mit dem IS verhandeln? Neue Lösungen für Syrien und den Terrorismus

Buchcover: Mit dem IS verhandeln?

Der sogenannte Islamische Staat (IS) gilt weltweit als eine Terrororganisation. In einigen Regionen von Syrien und dem Irak führt diese Organisation eine Schreckensherrschaft, die Andersdenkende und Andersgläubige brutal bekämpft. Trotz alledem vereint der IS einen Teil der örtlichen Bevölkerung in dem kontrollierten Gebiet hinter sich.

Thomas Carl Schwoerer zeigt in seinem Büchlein auf, welche Ursachen dies hat, und wie das mit der Politik und den Kriegen im Nahen Osten in den letzten 25 Jahren zusammenhängt. Durch den Sturz von Saddam Hussein im Irak und dem folgenden Umbruch im Land wurde ein Teil der Bevölkerung ihrer Rechte beraubt. Die religiöse Minderheit, die vorher die Herrscher gestellt hat, ist nun verfolgt. Genau diese Menschen, die der sunnitischen Form des Islam angehören, fühlen sich vom IS repräsentiert. Selbst wenn sie die Methoden für falsch halten, gehen sie daher nicht aktiv gegen den IS vor.

Mit dieser Begründung ist die Frage berechtigt, ob die Parteien im Syrien-Konflikt nicht den IS in die Verhandlungen über Waffenstillstand und Frieden in der Region einbeziehen. In den westlich geprägten Demokratien gibt es zwar den Grundsatz, nicht mit Terroristen zu verhandeln. In der Praxis geschieht das jedoch immer wieder, wenn auch abseits der Öffentlichkeit.

„Wer Frieden schaffen will, muss mit den Feinden verhandeln, nicht mit den Freunden“, zitiert der Autor, um seine Argumentation zu bestärken. Er führt an, dass hinter dem IS auch Millionen von Zivilisten stehen, die sich von keiner anderen Regierung oder Organisation mehr repräsentiert fühlen. Wenn man den IS ernsthaft involviert, dann muss man auch akzeptieren, dass die Region zerteilt wird. Syrien und Irak müssten für Teilgebiete eine föderale Autonomie zulassen oder gar die Ausgliederung in einen eigenständigen Staat. Gleiches steht dann auch den Kurden zu, wovor sich die Türkei fürchtet.

Das Buch ist aus der Sicht eines Pazifisten formuliert, der grundsätzlich den Krieg als Mittel der Politik ablehnt und immer Verhandlungen vorzieht. Leider bedient er sich dabei auch der Spekulation. Im Blick auf zurückliegende Entscheidungen im Kampf gegen Terror-Organisationen weltweit stellt er einige „Was wäre wenn“-Vermutungen an. Das schwächt in meinen Augen seine Argumentationskette, trotzdem stimme ich ihm in vielen Punkten zu. Meine Meinung zu einigen Aspekten der aktuellen politischen Situation habe ich nach der Lektüre geändert. Ich halte das Buch für wertvoll, nicht zuletzt weil Schwoerer auch die Argumente seiner Diskussionsgegner anführt. Er gibt einen Überblick über die Lage und Entwicklung in Syrien 2016 und ergänzt das Bild aus der aktuellen Tagesberichtserstattung.

Fazit: Eine gut recherchierte Zusammenstellung von Meinungen und Gegenmeinungen zur aktuellen Frage, wie man mit dem Syrien-Konflikt und speziell dem sogenannten Islamischen Staat umgehen soll. Lesenswert für alle, die sich aktiv und informiert an der politischen Diskussion beteiligen wollen. Da der Autor auf einige Spekulationen nicht verzichten wollte, lautet meine Gesamtbewertung jedoch nur „gut“.

 

Titel Mit dem IS verhandeln?
Neue Lösungen für Syrien und den Terrorismus
Autor Thomas Carl Schwoerer
Erschienen 2016 bei Redline Verlag, München
Auflage 1. Auflage 2016
Format gebunden, 112 Seiten
ISBN 978-3-86881-652-5

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