Makers – Bastelkeller oder industrielle Revolution?

Buchtitel: Makers - Das Internet der Dinge

In den letzten zehn Jahren greift ein Trend um sich: die Maker-Bewegung. Ist das nicht dasselbe, wie früher die Hobbyschrauber, Frickler, Heimwerker, Handarbeiter, Do-it-yourself-Bastler? Während manche nur einen neuen Begriff für bekannte Hobbyformen vermuten, beschreibt Chris Anderson das Phänomen als nächsten Umsturz in der Industriegeschichte.

Über 100 Jahre hat die Industrie den Weltmarkt Branche für Branche erobert mit ihrem Erfolgsmodell: Vereinheitlichung und Massenproduktion. Wiederholte Arbeitsgänge wurden optimiert, die Arbeitskräfte brauchten weniger Vorbildung. Die Leistung eines Industriearbeiters wurde bis auf einen einzigen Handgriff reduziert. Dann kamen die Roboter, die das übernommen haben, andere Aufgaben wurden in Billiglohnländer ausgegliedert.

Doch diese Industrialisierung hat Vor- und Nachteile. Die Kosten für die Herstellung von Gebrauchsgütern (heute auch Verbrauchsgütern) sind immer weiter gesunken. Allerdings geht bei dieser Art der Herstellung jegliche Individualität verloren. So entsteht parallel ein Markt für individuell angefertigte Waren.

Die Maker-Kultur bringt diese beiden Welten zusammen. Moderne Werkzeuge stellen aus digitalen Vorlagen Waren in verschiedenen Herstellungsarten her. Dabei spielen individuelle Werkzeuge und Rüstzeiten eine immer geringere Rolle. Mit einem 3D-Drucker oder Schneid- und Fräswerkzeugen können kleinste Auflagen bis hin zu Einzelstücken wirtschaftlich sinnvoll produziert werden.

Ebenso wie es in der Softwarebranche eine Open-Source-Bewegung gibt, stellen immer mehr Anbieter ihre digitalen Baupläne für physische Gegenstände frei zur Verfügung. Die Qualität reicht von einfachen Hobbyarbeiten bis hin zu professionellen Industrie-Designs. Modellbauer produzieren ihre Bauteile selbst, Oldtimer-Fans stellen nicht mehr lieferbare Ersatzteile nach Bedarf her, sogar Hilfsmittel, Werkzeuge und Produktionsanlagen können auf diese Weise aufgebaut werden.

Im Hobbybereich schließen sich Interessenten zusammen, um gemeinsam eine Werkstätte zu betreiben. Solche „Maker-Spaces“ gibt es in verschiedenen Städten zunächst in den USA, inzwischen auch weltweit.

Der Autor sieht darin eine „Demokratisierung der Industrie“ und legt schlüssig dar, dass die Produktion nicht länger auf Anlagen in Industriemaßstäben angewiesen ist. Durch die beschriebenen Verfahren ist die Herstellung in kleinen Stückzahlen rentabel. Das führt zurück zur Individualisierung, denn nun können z.B. Möbel genau zugeschnitten auf Form und Größe der Wohnung oder Kleidung passend für den einzelnen Kunden mit industrieähnlichen Verfahren preiswert hergestellt werden.

Zum Schluss seines Werkes stellt der Autor verschiedene Firmen und Projekte vor, die den Ansatz erfolgreich umgesetzt haben. Er nennt Quellen, mit denen der Leser selbst in diese Welt der Produktion im kleinen Maßstab einsteigen kann. Das Buch ist nachvollziehbar und flüssig lesbar aus dem Englischen übersetzt worden, leider beschreibt es jedoch vorwiegend die Gegebenheiten in den USA. Für mich fehlen hier Beispiele aus Europa. Auf die bürokratische Regulierung in Deutschland und der Europäischen Union geht er nicht ein.

Fazit: Das Buch „Makers“ wird von der Faszination getragen, die der Autor dem Thema entgegenbringt. Er hat selbst ein Unternehmen gegründet, das erfolgreich mit den beschriebenen Methoden Geld verdient. Als Leser spürt man seine Begeisterung. Das Werk ist nicht leicht einzuordnen. Es umfasst die politisch-wirtschaftliche Betrachtung der Materie, konkrete Darstellung von Unternehmen, die Teile des Konzeptes umgesetzt haben ebenso wie Werkzeugkunde für Hobbyisten. Für Anhänger der Szene bietet das Buch eine spannende Zusammenfassung, einen Kritiker werden die Ausführungen von Anderson vermutlich nicht umstimmen können. Insgesamt gut.

 

Titel Makers
Das Internet der Dinge:
die nächste industrielle Revolution
Autor Chris Anderson
Übersetzerin Sigrid Schmid
Erschienen 2013 bei Carl Hanser Verlag, München
Originalausgabe New York 2012 unter dem Titel „Makers. The New Industrial Revolution“
Auflage 1. Auflage 2013
Format gebunden mit Schutzumschlag, 285 Seiten
ISBN 978-3-446-43482-0

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