Film: Hacker – Porträt einer Gegen-Kultur

DVD-Cover: Hacker - Porträt einer Gegenkultur

Als 1984 den frühen Mitgliedern des Chaos Computer Clubs (CCC) der sogenannte BTX-Hack gelang, mit dem der Verein kurzzeitig einen 6-stelligen Betrag entwendete und medienwirksam zurückgab, traten „Hacker“ erstmals in den Blick der Öffentlichkeit. Die vorliegende Dokumentation zeigt ein Kurzportrait über fünf Personen aus verschiedenen Generationen der Hacker-Kultur, darunter zwei aus der Gründerzeit des CCC in Hamburg.

Dabei wird die Faszination aufgezeigt, die digitale Technik auf die jungen Menschen seit der Frühzeit der persönlichen Computer ausübt, und auch der Filmemacher selbst kann sich einer Faszination über die gezeigten Persönlichkeiten nicht erwehren. Ebenso wird die komplette Bandbreite der Hacker-Ethik bis zu eindeutig illegalen Aktivitäten dargestellt. Während die Gründer des CCC sich mit ihren „hackerethics“ selbst einen strengen Kodex auferlegten, gab es schon seit der Anfangszeit immer mehr Hacker, für die egoistische Selbstdarstellung oder kriminelle Motive zum Antrieb ihrer Aktivitäten wurde.

Die älteren Hacker berichten in ihren Interviews darüber, wie die Szene zunehmend kriminalisiert wurde – auch durch die Aktionen staatlicher Organe – lange bevor es im Strafgesetzbuch die entsprechenden „Hacker-Paragraphen“ gab. Dies führte schon in frühen Tagen des Vereins dazu, dass das Misstrauen der Mitglieder untereinander stetig wuchs und so gemeinsame Aktionen immer seltener wurden.

Die jüngere Generation wiederum handelt nach wie vor aus großem technischen Interesse, verfolgt dabei aber ganz unterschiedliche Ziele – vom Datenschutzexperten bis hin zum Entwickler von Computerviren.

Fazit: Ich würde den Film eher als eine Dokumentation von fünf Einzelbiographien ansehen als ein Porträt einer Kultur, denn letztlich belegt der Film selbst, dass es so etwas wie eine gemeinsame Kultur unter den Hackern nicht gibt und dass die Motive und Ziele der Personen sehr individuell sind. Als Einstieg in das Thema durchaus geeignet, suggeriert der Untertitel mehr, als der Film wirklich halten kann, daher insgesamt nur befriedigend.

 

Medium DVD
Dauer 79 Minuten
Format 16:9
Sprachen Deutsch
Altersfreigabe ab 0
Veröffentlicht 2011
Regie Alexander Biedermann

Diese Filmbeschreibung ist Teil meiner Reihe über sogenannte Hacker-Filme, das sind Filme, in denen Computereinbruch und kreative Techniknutzung eine gewisse Rolle spielen oder sogar zum Hauptthema erhoben werden. Ich beschäftige mich mit der Darstellung dieser digitalen Subkultur aus privatem und beruflichem Interesse. Häufig sind die technischen Details haarsträubend unrealistisch und durch Effekte dargestellt, die allein der Dramaturgie dienen, nicht dem Verständnis der Technik. Die Sammlung „Hacker-Filme“ wird am Ende über 40 Einträge umfassen.


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