Film: Blackhat – guter Hacker, böser Hacker

DVD-Cover: Blackhat

Wenn ein Hacker die Börse beeinflusst, dann ist das kriminell, denn er „verdient“ Geld, was andere verlieren. Wenn ein Hacker jedoch eine Kernschmelze in einem chinesischen Atomkraftwerk verursacht, dann ist es vorbei mit der Hacker-Nostalgie. Keine Bewunderung für Technik-Gurus, kein Neid, kein Mitleid. Genau dieses Szenario wird in dem Film Blackhat dargestellt, der unter der Regie von Michael Mann 2015 in die Kinos kam.

So ernst das Thema ist, so wurde doch wieder mal ein teilweise unrealistischer Hacker-Mythos aufgebaut. Was sich zunächst als Hauptthema darstellt, rückt im Verlauf des Films zunehmend in den Hintergrund, während Beziehungen, Action, internationale Befindlichkeiten und der ewige Kampf Gut gegen Böse die Handlung bestimmen.

Der chinesische Sicherheitsoffizier Chen Dawai wird mit der Aufklärung des Atomunfalls beauftragt und verfolgt eine Spur in die USA, wo er Jahre zuvor am MIT studiert hat. Da der Börseneingriff mit derselben Software durchgeführt wurde, beschließen USA und China eine Zusammenarbeit in diesem Fall. Dawai holt sich Hilfe von Nick Hathaway, seinem ehemaligen Mitstudenten, der wegen Kreditkartenbetrugs im Gefängnis sitzt. So wird aus dem, der eigentlich selbst ein Verbrecher war, der Jäger des Blackhat (Begriff für kriminelle Hacker). Die Jagd nach dem Täter führt die beiden mit ihrem Team um den halben Globus und entwickelt sich dabei zu einem sehenswerten Action-Thriller.

Der am Anfang prominent dargestellte „Hacker“-Teil des Films dagegen kann überhaupt nicht überzeugen. Das Einschleusen des Virus aus unbekannter Quelle wird als Folge von Lichtimpulsen in Computer-Hardware dargestellt. Auch wenn der Zoom in das Innere eines Microprozessors echt sehenswert ist und die Strukturen auch nicht unrealistisch dargestellt werden, so kann man in der Realität natürlich elektrische Impulse auf Nanometer-kleinen Leiterbahnen nicht sehen. Ebenfalls wurde eine IP-Adresse verwendet, die auf .284 endet, was per Definition nicht möglich ist. Diesen „Fehler“ hat schon 1995 Sandra Bullock in „Das Netz“ gemacht.

Bleibt ein bitter-süßes Ende nach bester Hollywood-Manier bei einer Handlung, die nicht langweilig wird, aber gut und gerne auch ohne die Hacker-Thematik ausgekommen wäre. Der Untertitel „Wer kontrolliert das Web?“ ist irreführend.

Fazit: Als Hackerfilm langweilig und unnötig, als Actionfilm brauchbar, inhaltlich solide aber ohne extreme Höhepunkte. Alles in allem zufriedenstellend, kann man sich ansehen.

 

Medium DVD
Dauer 133 Minuten
Format 21:9 auf 16:9 beschnitten
Sprachen Deutsch, Englisch, Italienisch, Türkisch
Altersfreigabe ab 16
Veröffentlicht 2015
Regie Michael Mann
Schauspieler Chris Hemsworth,
Wang Leehom,
Tang Wei

Diese Filmbeschreibung ist Teil meiner Reihe über sogenannte Hacker-Filme, das sind Filme, in denen Computereinbruch und kreative Techniknutzung eine gewisse Rolle spielen oder sogar zum Hauptthema erhoben werden. Ich beschäftige mich mit der Darstellung dieser digitalen Subkultur aus privatem und beruflichem Interesse. Häufig sind die technischen Details haarsträubend unrealistisch und durch Effekte dargestellt, die allein der Dramaturgie dienen, nicht dem Verständnis der Technik. Die Sammlung „Hacker-Filme“ wird am Ende über 40 Einträge umfassen.


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